Übersicht

Thema 1

Thema 2

Thema 3

Thema 4

Thema 5

Thema 6

Thema 7

Thema 8

Thema 9

Thema 10

Thema 11

Thema 12

Thema 13

Thema 14

Quellen

Home | Malerei | Fotografie | Geschichten | Stil  

Spreewaldradtour Sommer 2004 - Ein Reisebericht
Tourtagebuch von Önn Kristin, Nicöle, Simöne und Susön
„Ick blicke was, was du nick blickst“ – „Bom“ („Bom“ – „Ick hab noch gar nick hingeblickt“)
 

Kapitel 1 – Samstag, 31.7.04

Um 15:01 Uhr fährt auf Gleis 8 in „Falkenberg Elster – Falkenberg Elster“ ein Zug ein, der aus Leipzig kommt, der aus Halle kommt, der aus Kassel kommt, der aus Frankfurt am Main kommt, der teilweise aus Mühlheim, teilweise aus Erzhausen kommt und zum Teil schon richtig war.

Aus diesem Zug steigen 3 Hessen-Mädels und 3 Fahrräder (die Jaqueline, die lila Schwuchtel und das Problemkind)  und werden vom Brandenburg-Mädel begrüßt.
 

3 schwer beladene und ein federleichtes Fahrrad machen sich über komplizierte dumme Treppen auf den Weg in die Rothsteinslache 6.

„Falls ihr im großen Falkenberg verloren geht, merkt euch das „grüne Haus an der Tankstelle“ oder übt einfach noch ein paar Mal Rothsteinslache zu sagen.“

Im Garten in der Rothsteinslache werden dann zunächst einmal die Hessen-Mädels mit den Brandenburger Eltern und Großeltern bekannt gemacht und Rührkuchen mit Kirsch(kern)en wird zum Kaffee gegessen. Das Scrabble-Brett wird herbeigeholt. Die zwei Hofkatzen zeigen sich auch von ihrer besten Seite und lassen sich mal ordentlich durchkraulen.

Dann gilt es sich im 16 qm²-Zimmer zu organisieren, welches ziemlich bald die Gestalt einer Jugendherberge annimmt. Letzte Vorbereitungen für das Strandfest werden getroffen. Duschen mit Anstehen, was soll ich bloß anziehen, Fahrräder „entpacken“ und Eintrittsmarken anstecken. Die Fahrräder werden 21 Uhr zielstrebig bedient, zum Kiebitz gesteuert und diebstahlgesichert. Bevor die Pole-Position zum optimalen Genuss des alljährlichen Feuerwerks gesichert wird, muss noch der Erregung öffentlichen Ärgernisses durch Magenknurren vorgebeugt werden. Die Nahrung rutsch besonders gut vor der „Centerstage“, wo man sich von wohlklingenden Tönen von Helga ähm Franz & Band umspülen lassen kann. Diese Töne sollen uns ohrwurmig noch oft auf der Tour begleiten:

„Tipp Topp Tipp Topp Die Wette Gilt - Wir Sehen Uns Wiiiieder“ – „Neein, er hat doch Tick Tack Tick Tack gesungen! - ???“

Leider fehlte 33,37 % der Reisenden die Original-Kenntnis des Vollkornbrötchens, was allerdings keinen davon abhielt nach einem begeisterten Bericht desgleichen ab und an ein „Ich War Einst Die Butter Auf Deinem Vollkornbrötchen“ einzuwerfen bzw. den Ausdruck einer Lebensnotwendigkeit umzupolen und ein „Du Bist Wie Die Wespe Auf Meinem Nutellabrötchen“ beim Frühstück zu assoziieren (Wird es ein Es Soll So Bleiben Teil 2 Geben??). So kommt es nun auch, dass das Brandenburg-Mädel herausfindet, dass es Strandfest-Musik auch auf einem kompakten Tonträger gibt und 1. Tag post Rad fahren jenen in 4-facher Ausführung (Was, zu mir? Vier Stück? Wie krass… Sprach es und verschwand im Haus hinter einer vom Durchzug zugeschlagenen Tür.) ersteht, weil selber nachbrennen ja unfein ist und „Mit 3 Euro unterstützen wir auch eine Falkbenberger Band“. Nun aber genug des Vorgreifens.

Nach dem Feuerwerk spendiert der Brandenburger Papa eine Runde Erdbeerbowle. Für diesen Abend schon die Zweite. Versuche werden angestellt und herausgefunden „Auf 4 Beinen steht sich besser“. Auf dem Weg zur nächsten Station beginnt es von oben zu tropfen und eine via Pavillon geschützte Ecke mit vielen Falkenberger Freunden kommt sehr gelegen. Nur leider heißt von oben trocken nicht 100%ig ganz trocken. Dass der Tisch schon von verkippter Fassbrause klebt ist ja wurscht, aber Überflutungsversuche mit noch jungfräulich vollen Bierbechern kommen für den ein oder anderen sehr überraschend und nasse Hosen und Jeansjacken resultieren daraus.

Nachdem auch Bier langsam trocknet – aber stinkt – machen sich die 4 Gefährten mit samt den  Rädern auf den dunklen Heimweg.

Gute Nacht.

Simone leb wohl.

Kapitel 2 – Sonntag, 1.8.04

Die Erschöpfung der beschwerlichen Reise von Frankfurt nach Falkenberg und der Spaß auf dem Strandfest wird weggeschlafen und ein ruhiger Sonntag (Vor)Mittag beginnt. Dieser soll jedoch schnell in Hektik umschlagen. Papa Voigt hat pünktlich um 12 Uhr Hunger, aber die Spätaufsteher bzw. –frühstücker lassen sich Zeit in der Küche. Zwischen Scrabble-Steinen wird damit begonnen den Römertopffisch vorzubereiten. Gemüsesud kochen und samt Fisch für rezeptpflichtige 30 min in den vorgeheizten Ofen. Tisch im Garten decken und beim Aufschöpfen feststellen, dass der Fisch noch roh ist. Während Papas Magen immer lauter knurrt und Reis und Dillsoße kalt werden, wird der Fisch im Topf noch einmal gekocht. Papa schmeckt es aber trotzdem, weil das Gemüse noch so schön SCHNORPST.

Nach dem Essen – als Beitrag zur gesunden körperlichen Bewegung (man weiß ja nie was noch kommt) – wird wieder an den See geradelt und nach Fassbrause (wenn dicke Kleinkinder mit den Füßen aufstampfen bedeutet das, dass sie noch mehr von den bunten Süßigkeiten wollen. Leider kann man dann zu bald die Position von Ellenbogen- und Kniegelenk nur noch erahnen.) der Versuch gestartet, der Kunst des Volleyballspielens nachzugehen. Im Anschluss ruft das Wasser – und die Insel. Cheerleader Dulle muss leider auch hier auf Grund der Knieverletzung nach ein paar Zügen wieder zum Strand zurück, wohingegen Volleyballer Mario sich mit auf den weiten Weg zur und um die Insel macht. Bei ca. ¼ der Strecke hat Simone Erbarmen mit einem zappelnden Marienkäfer und rettet ihn aus den Fluten. Da dieser mit aufgeweichten „Unter“flügeln nicht willig oder in der Lage ist zu fliegen, wird er von Susan bis zur Insel chauffiert und behutsam auf einem Grashalm abgesetzt. Von dem wird er sich nach Meinung von Ann Kristin in Kürze zum 2. Mal mit suizidaler Absicht in die Fluten stürzen…

Zurück in der Rothsteinslache schmeißt Papa Voigt den Grill an und es gibt Bratwurst, gebratenen Reis, Schüttelgurken und Gemüsespieße. Letzte Einpack-Vorbereitungen für den nächsten ganz großen Tag werden getroffen und vor lauter Erwartungen ist so mancher überhaupt gar nicht müde. Das Scrabble-Brett muss helfen.

Gute Nacht.

Simone leb wohl.

Kapitel 3 – Montag, 2.8.04

7 Uhr ist wecken in Falkenberg und 8:30 Uhr machen sich die 4 Radsportler auf dem Weg zum Falkenberger Bahnhof. Neues Mitglied in der Truppe ist der silberne Blitz Johnny, sehr zur Freude von Jaqueline (die sich nur noch zeitweilig für ihr breites Hinterteil schämt). Der Beginn einer drahtigen Lovestory?

Schon wieder Treppen. Dieses Mal jene zum Gleis 4. Nicht weniger beschwerlich. Ebenso schweißtreibend gestaltet sich der Einstieg in den RE, der Falkenberg um 9:09 Uhr in Richtung Calau verlässt. 9:56 Uhr dort angekommen besteht keine Chance, den Anschluss-Zug nach Lübbenau um 9:59 Uhr vom übernächsten Gleis zu erreichen. Nach kurzer Krisensitzung und Befragungen der Eingeborenen findet sich eine Straße, die nach Lübbenau führen wird.

Diese Asphaltstraße führt uns durch die Randstadt von Calau nach Altnau und von dort weiter in Richtung Saßleben. Kurz vor dessen Toren, ein leuchtend gelbes Ortseingangsschild in Sicht und gefahrenen 3 km auf dem Fahrradcomputer, äußert Nicoles Fahrrad ein leises aber stetes pffffff. Hinterrad platt. Nach nur 3 km. Autoventile! Tankstelle suchen? Und dorthin laufen? Nein, besser gleich in eine Seitenstraße biegen und – oho praktische Schnellspanner – den hinteren Schlauch gewechselt. Das Gepäck wird um einen Ersatzschlauch leichter und Simones feuchte Tücher kommen zum ersten Mal zum Einsatz. Im Wechsel wird so viel wie frauenmöglich Luft auf das neue Hinterrad gepumpt. Dennoch lässt sich der Gedanke, dass es nicht genug ist, nicht verdrängen. Kurz vor Ortsausgang Saßleben wird ein junger Sensenmann nach Kraft gefragt und dieser erklärt sich prompt bereit, sich auch noch eine Weile mit der Luftpumpe zu versuchen. Sein Versuch ein besseres Exemplar mit toller Luftdruckanzeige zu verwenden schlug leider fehl. Dennoch macht nun Nicoles Hinterrad einen prallen Eindruck.

Mittlerweile schlagen Saßlebens Kirchturmglocken 11 Uhr und es geht weiter nach Kalkwitz. Zwischen Kalkwitz und Bischdorf sorgt eine zünftige 4-km-lange Schotterstraße in knallender Sonne für die totale Erschöpfung und dem Schrei nach besseren Zeiten. Die kommen auch gegen 12:15 Uhr, hinter Groß Lübbenau und Boblitz auf dem Campingplatz am Schlosspark mitten in Lübbenau. Die Wetterstation neben der Rezeption sagt, dass das Wetter trocken ist und nach kurzer organisatorischer Unterredung mit der Campingplatzleitung werden auf einer für sehr schön befundenen Wiese zum ersten Mal auf dieser Tour die beiden Zelte in strahlendem Silber-Bordeaux (Team Susan-Simone kurz SuSi) und klassisch Dunkel-Blaugrün (Team Ann Kristin – Nicole kurz AnNi) aufgeschlagen und gemütlich mit dem Gepäck eingerichtet. Der Campingkocher wird angeheizt und zaubert eine einzigartige Kaffee-Cappu-Mischung, die 12:45 Uhr die geschmierten (Vollkorn)Brötchen besser rutschen lässt.

Die sanitären Anlagen werden erkundet, ebenso wie der Bootsverleih direkt vor unserer Wiese. 14 Uhr werden dann 2 Paddelboote – Teamwechsel: Ann Kristin & Susan, Simone & Nicole – zu Wasser gelassen. Bis 17:30 Uhr treiben sie teils im Zickzack teils klassisch geradeaus auf einem großen Rundweg, eine „Rolle“ meisternd, durch Tschummi und auch Huschipusch. Unterwegs wird an einem Steg ein Eimer voll Salzgurken für drei Euro erstanden und vernascht.

17:35 Uhr, wieder mit festem Boden unter den Füßen und nassen Steuermännern, tun Simone „alle Muskeln und Sehnen und Finger und Gelenke“ weh. Schnell muss nun was gegen die ausgelaugten und hungrigen Körper getan werden. Es gibt Nudeln und Tomatensoße vom Campingkocher und Gurkensalat von frischen Freilandgurken. Nachdem der Abwasch erledigt ist, geht es zu Fuß („Wir haben uns gegen das Fahrrad für das Laufen entschieden. Es war weiter als wir dachten.“) in die Stadt in einen gemütlichen Biergarten zu Wein bzw. Radler bzw. Malzbier. Die ersten Karten aus dem Spreewald werden geschrieben. Zum Nachtisch bestellt sich Simone eine heiße Schokolade und löffelt genüsslich die Sahne weg, bevor sie sagt: „Entschuldigung, ich hatte keine Sahne!“

21:30 Uhr zurück im Zelt eröffnen Simone, Ann Kristin und Susan die Wizard-Saison. Ein Spiel zu dritt dauert bis 24:oo Uhr. Unsere Lieblingsfarbe ist „blau“. Leider lässt sich die Original-Aussprache hier nicht wiedergeben.

Ende der ersten Etappe mit 23 km.

Gute Nacht.

Simone leb wohl.

Kapitel 4 – Dienstag, 3.8.04

Um 8:00 Uhr klingelt der Wecker in Lübbenau und bei strahlend blauem Himmel gibt es frische Brötchen vom Camping-Bäcker mit Nutella und Pepe-Pastetchen. 10:45 Uhr sind alle Sachen gepackt und der Platz wird mit dem Ziel Gukenradweg aufsuchen und nach Limberg fahren verlassen.

Die ersten 4 km sind pure „Verfahren“strecke. Einmal längs durch Lübbenau und dann zurück zum Campingplatz, um vor dessen Toren dann richtig abzubiegen. Der Gurkenradweg führt durch Wasserstraßen und Bomen (siehe später…) und beschert den noch frischen Radlern prompt die erste maligne Brücke über einen Wasserarm. Maligne bedeutet in diesem Fall, die Brücke ist aus Holz, sie hat viele Stufen, sie ist steil und überhaupt … nicht nett. Genau genommen bedeutet das, Teile vom Gepäck müssen abgeschnallt werden und jedes Fahrrad wird in 2er Teams und vor versammelter Touristenmannschaft hinüberbucksiert. Drüben angelangt kommt Freude auf, als ein entgegenkommendes Kind verkündet: „Guck mal Papi, schon wieder eine Brücke.“ Sie hat das „maligne“ vergessen. Gleiches Spiel also ein paar Kilometer weiter, und da aller guten Dinge drei sind, gab es dieses Vergnügen im Laufe des Vormittags noch ein drittes Mal.

Der Gurkenradweg führt durch Lehde, Leipe und Raddusch nach Stradow. Im Stradower Wiesenteich kann man leider nicht baden. Zwei eingeborene, am Straßenrand schwatzende Bauern schildern den „richtigen“ Weg gen Limberg und empfehlen gleichzeitig die „Badeanstalt“ in Vetschau als Ersatz für den nicht bebadbaren Wiesenteich. („Oh ja, da gibt es sicher auch Duschen…“)

Im Eingang von Suschow, dem nächsten Dorf, erklingt ein bereits bekanntes Geräusch: pfffff. Es spielt sich mit Nicoles Hinterrad dieselbe Prozedur wie 40 km vorher ab. Ein vorbeifahrender Landmann kann den Weg zur nächsten Fahrradwerkstatt in Vetschau erklären. Na dann man nix wie hin da. Sehr vorsichtig und jeden spitzen Stein vermeidend sowie alle Bordsteinkanten umfahrend. Hacki’s Fahrradwerkstatt hat leider im Augenblick der Ankunft (14:00 Uhr) noch Mittagspause. Eine Pizzeria dient dem Zeitvertreib und hilft zugleich gegen Erschöpfung, Durst und Dreck. Zurück in Hacki’s Werkstatt wird das Problemkind aufgebockt, untersucht, diagnostiziert (ein Fall von zu schmalen Felgenbändern und sprödem Mantel hinten) und behandelt. Es fallen 20 Euro für 2 neue Felgenbänder, einen neuen Mantel, 2 neue Ersatzschläuche und das Ausbessern einer Acht an.

15:30 Uhr werden die Fahrräder auf dem Gelände des Vetschauer Freibades wieder geparkt und sich selbst überlassen während die vier Urlauber sich abkühlen. Um 18:00 Uhr liegt Vetschau schon wieder im Rücken und das Gepäck hat durch Giabatta und Wein, sowie Käse und Bananen von Aldi für Abend und den nächsten Tag zugenommen. Hinter Babow, Milkersdorf und Kunersdorf kommt endlich Limberg.

„Entschuldigung, wo ist denn hier der Ringweg?“ – „Was?“ – „Ich suche den Ringweg.“ – „Den Lindenweg?“ – „Nein, den Ringweg!“ – „Also zum Lindenweg fahren sie…“ Ein zweiter Eingeborener wusste dann den korrekten Weg und 18:30 Uhr endete somit die 2. Etappe nach 43 km in der Pension Förster & Krause. Direkt vor der Terrassentür von Thomas’ Einzimmerwohnung genügte es für diese Nacht nur ein Zelt aufzuschlagen. Es gibt eine Menge zu schwatzen und dazu Salat, Blumenkohl- und Brokkoli-Gratin mit Giabatta zum Abendessen. Danach findet eine DVD-Privatvorstellung statt. „Bärenbrüder“ und der Standard-Dialog für diese Reise wird geprägt: „Ick blicke was, was du nick blickst“ – „Bom.“ …. „Bom“ – „Ick hab noch gar nick hingeblickt.“ Der Abend klingt ruhig und lustig aus.

Gute Nacht.

Simone leb wohl.

Kapitel 5 – Mittwoch, 4.8.04

Der Wecker klingelt um 7:00 Uhr in Limberg. Thomas und Dani sind schon auf der Arbeit. Bis 9:20 Uhr sind auch die 4 Fahrräder wieder rollend auf der Straße. Der Tag ist sonnig, der Himmel strahlendblau, elendige Hitze. Über Kunersdorf, Papitz, Ruben und Briesen wird wieder Kontakt mit dem Gurkenradweg aufgenommen. „Schilder alle doof, Gurke hat uns ein paar Mal im Stich gelassen. Kilometerangaben sind wohl Luftlinie, aber schön war’s…“ Vielleicht wird noch Kontakt mit dem Spreewälder Fremdenverkehrsamt aufgenommen und eine Beschwerde für fehlende, versteckte oder „hinter“ einer Kreuzung klebender Gurkenradweg-Kennzeichen eingereicht.

Der Gurkenradweg führt nach Cottbus hinein. Dort gibt es gar keine Schilder mehr, was sehr zu wünschen übrig lässt. Nachdem allerdings die Spree mit dem sie umgebenden Park gefunden ist, rollt es wieder ohne Probleme gen Norden. In Cottbus kauft Simone einen neuen Spanner, um weniger oft zum „Gepäck neu befestigen“ anhalten zu müssen. „Fahrräder vom Weltmeister – Lutz Heßlich“. Na wenn der Spanner nicht hält. Alle Brücken im Cottbusser Spreepark sind benigne. Zwischendurch braucht der Lenker der lila Schwuchtel (das sagt Jaqueline) einmal neu festmachen. Über Lakoma, Willmersdorf, Maust und viel Teichland wird um die Mittagszeit Peitz erreicht und es gibt lecker Eis garniert mit vielen Wespen. Peitz gilt als Dreh- und Angelpunkt, denn von nun an wird schnurstracks nach Briesensee gestrebt.

Über Maiberg, Dissen, Striesen und Fehrow geht es weiter nach Schmogrow, mit Brot-, Gurken- und Bananen-Pause auf dem Spreedamm, und über Saccassne nach Byhleguhre. Vorbei an Horst und Straupitz führt der Weg durch Neu Zauche und Caminchen. Danach folgt einer der schönen Kiefernwaldwege direkt zum Briesener See. Wieder gibt es ein „Schilder-Problem“. Das Wissen über die vielen bereits zurückgelegten Kilometer treibt in die erstbeste Campingplatz-Einfahrt, durch noch mehr Kiefernwald, geradewegs hinein in die Dauercamper. Doch leider ist die Rezeption „am anderen Ende des Sees“.

Auch die letzten Kilometer werden irgendwie doch noch bewältigt und nach 90 km-Tagesleistung sind 4 Fahrräder an Kiefern angeschnallt, 2 Zelte im Dreck aufgebaut und 4 Radsportler im seichten Wasser vom  Briesener See erfrischt. Nach dem Duschen ist man um die Erfahrung reicher, dass nicht an allen Campingplätzen eine Duschmarke für 4 Minuten warmes Wasser reicht und danach nur noch kaltes kommt. Nein, manchmal hört das Wasser nach 3 Minuten auch einfach ohne Vorwarnung auf. Dieser Campingplatz wird in der Endbilanz auf Grund des Sandbodens, dem spärlich ausgestatteten, vergesslichen Imbiss und der veralteten sanitären Anlagen am schlechtesten abschneiden. Dennoch sorgt der Imbiss am Strand am Abend für eine Première: die drei Hessen-Mädels lernen Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl kennen. Vor den Mücken auf der Flucht, findet die Mittwochs-Würfel-Runde bis 23 Uhr im Zelt statt.

„Hoffentlich erholen sich unsere Hintern bis morgen.“

Gute Nacht.

Simone leb wohl.

Kapitel 6 – Donnerstag, 5.8.04

Das Wort des Tages: Zähneputzmaschine

Um 8:30 Uhr ist die Nacht am Briesener See zu Ende und irgendwie ist es auch möglich, die Zelte, ohne zu viel Staub aufzuwirbeln oder gar noch Sand mitzunehmen, einzupacken. Da es nicht klappt im Campingplatz-Imbiss Brötchen o. ä. zum Frühstück zu erwerben bzw. es in den umliegenden Dörfern auch keinen Supermarkt gibt, wird beschlossen, beim ersten Bäcker auf der Strecke Frühstück einzukaufen und unterwegs zu picknicken. Hinter Briesensee und Radensdorf kommt Biebersdorf, was tatsächlich über einen Bäcker verfügt. Zwischen Biebersdorf und Krugau ist dann auch eine Haltebucht wie dafür gemacht, den Campingkocher auszupacken und Cappu zu Kuchen, „Pfannkuchen“ und den Brötchen zu machen. Weiter geht es abkürzender Weise von Krugau direkt nach Gröditsch und Pretschen – zwei Dörfer, geschmückt mit „Dorfpuppen“ anlässlich der diesjährigen 1000-Jahr-Feier. In Pretschen ist dann bereits der Neuendorfer See bzw. der Ort Alt Schadow ausgeschildert.

Es stehen mehrere Campingplätze rund um den See zur Auswahl, aber bereits der erste ist perfekt. Er schlägt bereits beim Anblick der „ZeltWIESE“ den Platz der letzten Nacht um Längen. So werden also wieder die Räder an Bomen gelehnt und alles erholt sich nach heute „nur“ 3o km. Zunächst einmal bei einer Runde Wizard auf der sonnigen Wiese, da die Rezeption Mittagspause hat. In diesem Moment fällt auf, wie schade es doch eigentlich ist, keine Musik dabei zu haben. Die Lösung heißt selber singen und Simone und Nicole stimmen einen Rundgesang an: „Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt und mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt. Die Fliege war nicht dumm, sie machte sum sum sum und flog in einem Kreis ums rote Pferd herum…“. In Gedanken bei den vielen sächsischen Campingplatzkollegen und durch gemeinschaftliches Üben in der Gruppe (Falkenberg in Brandenburg liegt ja so nah an Sachsen) klang es dann etwa so: „Do hot dos rode Pfärd sisch einfoch ùmgägärd ùnd mit seinem Schwonz die Flieche obgewährd. Die Flieche wor nich dùm, sie mochde sùm sùm sùm und floog in einem Greis ùms rode Pfärd herùm…“. Dieses Lied kann man also wahlweise in sächsisch, hessisch oder auf hochdeutsch interpretieren.

Um 14 Uhr ist dann alles perfekt angemeldet und die Zelte stehen zum 4. Mal. Von 15 bis 17 Uhr dient der See als Erfrischung und Ruhezone. Duschen kann man wieder für 4 Minuten und im Anschluss auch noch kalt. Begeisterung macht sich über die Ausstattung der Anlage, was das leibliche Wohl betrifft, breit. Ein Selbstbedienungsbiergarten & Restaurant bringt leckerste Soljanka bzw. Fischsuppe als Vorspeise und Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl auf den Tisch. Außerdem legt man an dieser Stelle viel Wert darauf, dass die Gäste auch wissen was sie trinken! Denn Bier mit Brause ist nicht gleich Bier mit Brause! Die rote Variante – Bier mit Fassbrause – muss heißen Potsdamer. Bier mit Zitronenlimo bekommt man, wenn man ein Alster bestellt und nur im Radler wird das Bier mit Orangenlimo gepaart. Steht man eher auf Grün empfiehlt sich Kiwi-Crushed-Ice wahlweise mit Bacardi sprich Daiquiri. In diesem Biergarten lässt sich auch hervorragend Wizard spielen.

„Isch brauch noch ä Schlücksche Wein, sonst geht das net mehr wech.“

„Ick blicke was, was du nick blickst.“ – „Bom“ – „Nö, schleckte Karten!“ – „Na die blicke ick wirklick nick.“

„Wenn’s mal wieder länger dauert…“

Gute Nacht

Simone leb wohl.

Kapitel 7 – Freitag, 6.8.04

Am letzten echten Radwandertag klingelt der Wecker in Alt Schadow um 7:30 Uhr. Das Frühstück zählt zu den Besten. Vom Kiosk gibt es frische Brötchen, leckeren Butterkäse und Milch. Der treue Freund, das Nutellaglas, hat am Vortag durch ein Glas Cassis-Himbeer-Gelee von abreisenden Nachbarn Gesellschaft bekommen und beide sorgen für die notwendige Süße bei diesem Frühstück. Die verschollene Gurke findet sich auch wieder, um dann auch gleich wieder zu verschwinden, in vier Bäuchen. Und weil’s so schön ist, darf es auch eine Stunde länger dauern als geplant. Vier Zweiräder und vier Zweibeiner verlassen danach um 10:30 Uhr den Campingplatz am Neuendorfer See und erreichen über Hohenbrück-Neuschadow, Neuendorf am See, Leibsch, Groß Wasserburg, Krausnick und Schlepzig … die Bundesstraße? Falsch und zu viel Verkehr. Die Route wird zurückfahrender Weise korrigiert. Dabei wird ein vielseitiges Liederrepertoire ausgeschöpft. „Wir können alles schaffen, genau wie die tollen dressierten Affen. Wir müssen nur wolln…“. Und es geht durch Petkampsberg zwischen Hauptspree und Teichgruppe I bis III weiter nach Lübben. „Hilfe ich rolle rückwärts!“ So ein über Teiche fegender Wind ist echt übel…

Die tolle Leistung, die Gruppe zu der Stelle zu lotsen, an der sich das Symbol für den Campingplatz auf der Wanderkarte befindet, entpuppt sich als „falsch gedacht“. Da ist nämlich gar nüscht. Also noch mal einen Umweg und rein ins Zentrum von Lübben, rauf auf den Campingplatz und warten bis der Campingplatzleiter kommt. Nun nach insgesamt 51 km wird endlich die Tüte Kartoffelsuppe (und Tomaten(soßen)suppe als Nachtisch) gekocht. Total verstaubt muss wieder einmal erst geduschte werden, bevor es in die Stadt auf Suche nach einem Supermarkt und dem optimalen Platz für das Abendbrot (optimal bedeutet, es gibt Grützwurst) geht. Für die Heimreise fertig eingekauft sitzt bald mindestens ein tropfender Zahn vor einer Tafel mit der Aufschrift „Grützwurst mit Kartoffeln und Sauerkraut“. Die Erwartungen werden erfüllt und auch Grützwurst-Testerin Ann Kristin meint, ihr Vater wäre neidisch… Zum Nachtisch gibt es Buttermilchplinse mit Apfelmus und Zimt.

Zurück im Zelt (außerhalb sind die Mücken eine Qual -  Zedan versagt) geht es bei 1,55-Euro-Rosenthaler Kadarker, Senfgurken aus dem Eimer und Schogetten noch einmal richtig lustig zu. Es wird „übber härdere Droge“ geredet: „Vorsicht, Du hast da mit Gurke hingetropft. Riech mal.“ – „Ich weiß doch nicht, wie Kokain riecht.“ Ja, ja, Simone, von wegen Babypuder…

Gude Nacht

Simone leb wohl.

Kapitel 8 – Samstag, 7.8.04

Nun heißt es Heimreise! Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker in Lübben und um 7:45 Uhr wird zu letzten Mal auf dieser Reise ein Campingplatz verlassen. Auf dem Weg zum Bahnhof muss noch für Frühstück und Wegzehrung gesorgt werden. Der Lübbener Bahnhof ist benigne. Er verfügt über einen Fahrstuhl, so dass alle eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges bereits auf dem richtigen Bahnsteig sind und fleißig Brötchen schmieren. In den vergangenen 5 Tagen wurden 237 km geschafft. Der Zug verlässt Lübben fast pünktlich gegen 8:45 Uhr und der Umstieg in Calau ist machbar. Eine Minute vor um 10 Uhr wird dann Susan – angekommen in Falkenberg – aus dem Zug geschubst (auch Johnny und Jaqueline müssen sich trennen).

Die Hessen-Mädels fahren weiter dahin, wo sie herkamen. Im Zug nach Eilenburg nach Halle nach Kassel nach Frankfurt und teilweise nach Mühlheim oder Erzhausen bzw. er war schon am Ziel…

Lebt alle wohl!

am 08.08.2004

 

Home | Grußkarten | Gästebuch | Impressum | Kontakt