Übersicht

Thema 1

Thema 2

Thema 3

Thema 4

Thema 5

Thema 6

Thema 7

Thema 8

Thema 9

Thema 10

Thema 11

Thema 12

Thema 13

Thema 14

Quellen

Home | Malerei | Fotografie | Geschichten | Stil  

Es ist mehr als nur Platzangst: Agoraphobie

Angst ist etwas physiologisches, also etwas normales. Die normale Angst (Realangst) hat nicht nur negative Aspekte, sondern durchaus auch positive: Sie fungiert als Alarmfunktion und soll somit Körperreaktionen aktivieren, die zur Beseitigung der drohenden Gefahr oder zur Flucht aus der gleichen beitragen. Im Gegensatz dazu führt übermäßige (pathologische) Angst nicht selten zur Lähmung dieser körperlichen und seelischen Abwehrfunktionen. Vermeidungsverhalten führt zu sozialem Rückzug.


Definition der Agoraphobie (auch Platzangst): Das klinische Bild der Agoraphobie ist geprägt durch Ängste, sich an Orten oder Institutionen zu befinden, in denen beim plötzlichen Auftreten von hilflos machenden oder peinlichen Symptomen eine Flucht nur schwer möglich oder aber keine Hilfe verfügbar wäre. (aus Psychiatrie und Psychotherapie/Möller, Laux und Deister/Duale Reihe)

Eine Angst besteht also nicht VOR weiten oder überfüllten Plätzen, sondern vor der Situation die dort entstehen könnte. Es sind auch nicht nur die Plätze, sondern ebenso Züge, Boote oder andere an eine Stelle bindende Gegebenheiten, in denen eben per definitionem ein Ausweichen schwer möglich oder keine Hilfe verfügbar wäre. Bei den oben genannten hilflos machenden oder peinlichen Symptomen kommen Schwindel, Ohnmacht, Depersonalisationsgefühle, Verlust der Magen-, Blasen- oder Darmkontrolle  und Herzbeschwerden vor. Sehr häufig liegt eine traumatisierende Erfahrung einer solchen Situation in der Vergangenheit des Betroffenen vor. 

Abzugrenzen ist die Agoraphobie von folgenden Angststörungen:
- soziale Angst (Angst vor Situationen bei denen die Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht)
- spezifische Ängste (Zoophobie – vor Tieren, Klaustrophobie – vor geschlossenen Räumen, Akrophobie – vor Höhe, Aviophobie – vor dem Fliegen)
- Panikstörung (periodisch und ohne sichtbaren Anlass, mit Angst vor der Angst, einschließlich „Herzangst“)
- Generalisierte Angststörung (langanhaltend, frei flottierende Angst mit unrealistischen Befürchtungen und übertriebener Besorgnis)

Etwa 15% aller Menschen erkranken mindestens ein Mal im Leben an einer Angststörung. Am häufigsten kommen die soziale Phobie und die spezifischen Phobien vor. Bei ihrer Entstehung spielen vielseitige Faktoren eine Rolle (gestörtes Konfliktverhalten, prädisponierende Persönlichkeiten, Modelllernen, neurobiologische und neurochemische Aspekte). Therapeutisch können Angststörungen  mit Medikamenten, aufdeckend-analytischen Verfahren und Verhaltenstherapien (systematische Desensibilisierung mit Entspannung oder aber Reizüberflutung) angegangen werden. Die Prognose ist sehr unterschiedlich. Einige spezifische Phobien klingen zum Teil von selbst ab, wogegen Agoraphobie und soziale Angst häufiger chronisch verlaufen. Besondere Aufmerksamkeit verdient eine Komplikation des chronischen Verlaufs: Missbrauch von Alkohol und angstlösenden Medikamenten.

am 16.09.2005

 

Home | Grußkarten | Gästebuch | Impressum | Kontakt