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„Reife Eizelle, jung geblieben, vollschlank und kinderlieb, sucht nettes, sportliches und gut aussehendes Spermium zum kennen lernen. Zusammenkommen und einnisten nicht ausgeschlossen.“

In Deutschland gibt es zahlreiche Kliniken, Arztpraxen und Zentren, die sich auf den Kinderwunsch spezialisiert haben. Warum? Weil in Deutschland ca. jede siebente Partnerschaft ungewollt Kinderlos bleibt. Anders ausgedrückt beträgt die primäre Sterilität* in Deutschland 7%.

 

Die organischen Ursachen liegen zu 40% beim Mann (davon 30% anatomisch, 30% ungeklärt, 20% immunologisch) und zu 40% bei der Frau (davon bis 40% durch Ovulationsstörungen*, 20% mechanisch) und zu 30% bei beiden Partnern. In nur 10% der Fälle kann keine Ursache festgestellt werden.
Zu den Ursachen zählen im Einzelnen: hormonelle Störungen an Hypothalamus*, Hypophyse*, Schilddrüse, Nebennierenrinde und Eierstöcken; Fehlbildungen der Eierstöcke, Eileiter oder der Gebärmutter; Endometriose; immunologische Problematik (Antikörper gegen Ei- oder Samenzellen) und angeborene Ursachen wie Chromosomenanomalien bei der Frau, sowie gestörte Hodenfunktion zum Beispiel nach Infektionen wie Mumps; Fehlanlage der Samenwege; Hodenhochstand oder Krampfadern am Hoden (Überwärmung!); immunologische Problematik; operierte Tumoren und Chromosomenanomalien beim Mann.

Zahlen bitte

Ein weibliches Ungeborenes hat 6 – 7 Millionen Keimzellen in seinen Eierstöcken. Zum Zeitpunkt der Geburt sind es nur noch 1 – 2 Millionen Keimzellen. Mit dem Eintritt in die Pubertät hat sich die Zahl nochmals auf 300 000 Keimzellen, die nun zur Reproduktion zur Verfügung stehen, verringert. Überschlägt man grob die durchschnittliche Zeitspanne, in der eine Frau reproduktionsfähig ist (12. bis 50. Lebensjahr) und geht von regelmäßigen Zyklen (1 Eisprung pro Monat; keine Pille) aus, so wird sie in ihrem Leben davon 456 Eizellen „verbrauchen“.

Der Zyklus einer Frau dauert im Schnitt 28 Tage. Tag 1 ist durch das Einsetzen der Periode definiert. In der Mitte des Zyklus, also am Tag 14, findet der Eisprung statt. Die 2. Zyklushälfte nennt man auch die Gelbkörperphase. Hier produziert das Überbleibsel vom Follikel der gesprungenen Eizelle, der Gelbkörper, das Hormon Progesteron. Eine Eizelle ist nur etwa 9 Stunden befruchtungsfähig.

Ein Spermium braucht etwa 60 bis 74 Tage um „heranzuwachsen“ (von der Spermatogonie bis zum reifen Spermatozoon). Es kann ca. 5 Tage in der Gebärmutter der Frau überleben, dorthin jedoch nur vom 9. Zyklustag bis 1-2 Tage nach dem Eisprung durch Passage der Zervix* gelangen (Voraussetzung: durchschnittlicher Zyklus von 28 Tagen). Eine Karenz* von mehr als 5 Tagen einzuhalten, ist weniger sinnvoll, da zwar die Spermienzahl im Ejakulat steigt, aber die Beweglichkeit enorm abnimmt.

Die Wahrscheinlichkeit eines gesunden Paares, das innerhalb eines Zyklus regelmäßigen Geschlechtsverkehr hat, schwanger zu werden, liegt bei 20 - 30%. Nur 20% der befruchten Eizellen nisten sich auch ein. HCG*-Kontroll-Studien zeigten, dass doppelt so viele Schwangerschaften wie ausgetragene Kinder vorliegen. Ursache dafür sind unbemerkte Frühaborte*.
 

Das erste Baby nach extrakorporaler* Befruchtung kam 1978 in England zur Welt.

Damit gesetzliche Krankenkassen die Hälfte der Kosten der Therapie übernehmen – Stand 1.1.2004 – müssen beide Partner das 25. Lebensjahr vollendet haben. Die Frau darf bei Therapiebeginn das 40. LJ, der Mann das 50. LJ noch nicht vollendet haben. Das Paar muss verheiratet sein. Bei der Insemination* (IUI) im nicht-stimulierten Zyklus werden 8 Versuche, im stimulierten Zyklus maximal 3 Versuche und bei der IVF/ICSI* maximal 3 Versuche gewährt.

Der Eigenanteil beträgt dabei im Durchschnitt pro Behandlungszyklus für die IUI 500 Euro, für die IVF 1.500 Euro und für die ICSI 1.750 Euro. Diese Zahlen schwanken von Paar zu Paar, da jede Frau unterschiedlich auf die sehr teuren Stimulations-Medikamente reagiert und deshalb unterschiedlich viel davon benötigt.

Anzahl der Follikel*-Punktionen für IVF in Deutschland: 1982 – 742; 1990 – mehr als 7.343; 1994 – mehr als 16.175 (für ICSI – 5.856); 1997 – 9.902 (für ICSI – 15.365)
Die Baby-Take-Home-Rate (Geburtenrate pro Punktion) liegt weltweit bei 11%.

Mehrlingsgeburten in Deutschland durch IVF (ICSI) 1996:
Einling: 58,6% (60,4%), Zwillinge: 16,1% (15%), Drillinge 3,4% (3,2%), Vierlinge 0,1% (0,1%)

Meilensteine

Geburt des ersten IVF – Babys: 1978 (Louise Brown, UK)
Erstmaliges einfrieren „überschüssiger“ Embryonen/Geburt: 1983 (US)
Geburt des ersten ICSI – Babys: 1992 (UK)
Erstmaliges Einfrieren einer Eizelle/Geburt: 1997 (US)
Erstes Laser-Assisted-Hatching*: 1999
 
Möglichkeiten und Vorgehensweisen zur Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit

So viel wie nötig, so wenig wie möglich lautet die Devise. Sicher wird man meist nicht direkt mit dem Höchsten der High-Tech-Medizin (z.B. ICSI) beginnen. Der erste Schritt bei nomalem Spermabefund ist daher in der Regel das Zyklus-Monitoring.

Dabei wird via Ultraschall, Blutentnahme und evtl. LH*-Testung im Urin (Teststreifen z.B. von Clearblue®) der Zyklus der Frau kontrolliert und der Zeitpunkt des Eisprungs exakt ermittelt. Mit dieser Information lässt sich ein VZO (Verkehr zum Optimum) durchführen und somit die Möglichkeit, dass die befruchtungsfähige Eizelle und lebende Spermien aufeinander treffen, gewährleistet.
Stellt man unter dem Zyklus-Monitoring fest, dass der Zyklus nicht effektiv „funktioniert“ (Follikel* nicht angemessen wachsen, kein Eisprung stattfindet, ein PCO* vorliegt…) kann hormonell stimuliert werden. Auch dabei ist die Ultraschallkontrolle extrem wichtig, da jede Frau verschieden reagiert und ein Heranreifen und Springen zu vieler Eizellen und damit unerwünschte Mehrlingsschwangerschaften vermieden werden muss.
Wird bei parallel laufender Diagnostik ein Problem bei der Passage der Spermien durch die Zervix* (mittels PCT*) festgestellt oder ist die Spermaqualität leicht eingeschränkt so lautet die nächste Therapiestufe IUI*. Dabei wird das Sperma aufbereitet, d.h. die schnell beweglichen Spermien werden selektiert und in ein Medium gebracht, um dann mit einem Katheter direkt in die Gebärmutter gespült zu werden.
Tritt weiterhin keine Schwangerschaft ein, lassen sicht durch eine Ultraschalluntersuchung mit Kontrastmittel (HKSG*) und sicherer durch die mikroskopische/endoskopische Bauchspiegelung mechanische Probleme wie verschlossene Eileiter oder Verklebungen in der Bauchhöhle feststellen. Diese Situation führt ebenso wie ein schlechter Spermabefund (unter 15% Normalformen, unter 25% bewegliche Spermien, stark verminderte Gesamtzahl) zur High-Tech-Medizin IVF* (oder ICSI* bei wenig Eizellen und/oder sehr wenig Spermien). Erster Schritt der Behandlung ist die hormonelle Stimulation der Frau, was zum Heranreifen mehrerer Eizellen führt. Etwa 8-12 große Follikel sind gewünscht. Ein natürlicher Eisprung wird durch ein vorausgehendes Implantat (Zoladex®) oder ein parallel verwendetes Nasenspray (Synarela®) verhindert und stattdessen gezielt durch die Gabe von HCG* ausgelöst. Ultraschallkontrollen sind wichtig um eine Überstimulation zu verhindern und einen optimalen Aufbau der Schleimhaut (wichtig für die spätere Einnistung des Embryos) zu kontrollieren. 36 Stunden nach dem Auslösen würden „die Eisprünge“ stattfinden, was bedeutet, das kurz davor der optimale Zeitpunkt für die Eizellentnahme ist. Unter einer Kurznarkose von etwa 10 Minuten werden die Follikel ultraschallgesteuert transvaginal punktiert und die Flüssigkeit mitsamt den Eizellen  abgesaugt. Der nächste Schritt liegt in der Hand eines Biologen, der nach etwa 4-stündiger Vorinkubation die Eizellen befruchtet. Bei der IVF werden aufbereitete, also vor der Punktion gespendete Spermien mit den Eizellen im Reagenzglas „sich selbst überlassen“. Bei der ICSI werden einzelne Spermien direkt in die Eizellen injiziert. Ein Befruchtungserfolg wird bei 70% der Eizellen erreicht. Einen Tag nach Befruchtung erkennt man ein Vorkernstadium, zwei Tage nach der Befruchtung das 2-Zell- und 4-Zell-Stadium. Dieses 4-Zell-Stadium ist der typische Zeitpunkt für den Embryonentransfer, die Rückgabe der Embryonen in die Gebärmutter der Frau. Immer mehr tendiert man dazu, bis zum Tag 5 und damit zum Stadium der Blastozyste* abzuwarten. Harte Daten über bessere Schwangerschaftsraten liegen bislang leider noch nicht vor. In Deutschland ist der Transfer von maximal 3 Embryonen gestattet, wobei es durchaus ratsam ist, nur 2 Embryonen zu transferieren, da sonst das Risiko einer Drillingsschwangerschaft besonders bei jungen Frauen zu hoch ist. Auch mit 2 Embryonen wäre eine Drillingsschwangerschaft möglich, was eineiige Zwillinge und ein einzelner Drilling bedeutet, aber extrem selten vorkommt. Eventuell überzählige befruchtete Eizellen (im Vorkernstadium) können eingefroren (kryokonserviert) und zu einem späteren Zeitpunkt z.B. bei missglücktem Versuch oder einer weiteren gewünschten Schwangerschaft aufgetaut, weiter kultiviert und zurückgeführt werden. Dadurch bleibt der Frau eine weitere Stimulation und Punktion erspart. Erfolgsaussichten bei IVF/ICSI liegen zwischen 20 und 25%. Nach dem Embryonentransfer heißt es abwarten. 14 Tage nach der Follikelpunktion kann ein Schwangerschaftstest mit sicherer Aussage (Blutentnahme) gemacht werden.
 

Animationen
(zum Download: rechte Maustaste + "Ziel speichern unter")

ICSI - intrazytoplasmatische Spermieninjektion

Erläuterungen


Abort - Fehlgeburt
Assisted Hatching – mittels Laser wird die Eizellwand „angeritzt“ und der Blastozyste das Schlüpfen erleichtert

Blastozyste – Zellstadium des Embryos nach der Morula* (Bild)
Extrakorporal – außerhalb des Körpers
Follikel – Eibläschen (Hohlraum im Eierstock der Flüssigkeit und eine Eizelle enthält)
HCG – Hormon, das vom eingenisteten Embryo im Schnitt ab dem 14. Tag nach Eisprung produziert wird
HKSG – Hysterosalphingokontrastsonographie: mit einem Katheter wird transvaginal Kontrastmittel in die Gebärmutter eingespült und mittels Ultraschall der Kontrastmittelabfluss über die Eileiter in die Bauchhöhle beurteilt (Durchgängigkeit der Eileiter)
Hypophyse
– Hirnanhangsdrüse

Hypothalamus – Areal im Gehirn; Teilfunktion ist übergeordnete Hormonsteuerung; regelt die Funktion der Hypophyse
ICSI (sprich Ixi) – Intrazytoplasmatische Spermieninjektion – Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert
IUI – intrauterine Insemination – Einbringen von aufbereitetem Sperma direkt in die Gebärmutter
IVF – In Vitro Fertilisation – Befruchtung im Reagenzglas
Karenz – Enthaltsamkeit/Verzicht
LH – luteinisierendes Hormon; Hormon der Hirnanhangsdrüse, das durch seinen Anstieg den Eisprung auslöst

Morula - Entwicklungsstadium nach dem 16-Zell-Stadium
Ovulation – Eisprung
PCO – Polyzystische Ovarien: Erkrankung wobei in den Eierstöcken übermäßig viele, kleine Follikel vorliegen, die nicht normgerecht reifen können
PCT – Postkoital-Test: einige Stunden nach dem Verkehr wird Zervixschleim der Frau auf Vorhandensein und Beweglichkeit der Spermien unter dem Mikroskop beurteilt
Sterilität – Unfruchtbarkeit; primär: es lag nie eine Schwangerschaft vor; sekundär: aktuell (seit mehr als 12 Monaten) kann keine Schwangerschaft erzielt werden
Zervix – Gebärmutterhals
 

20.03.2005

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